Gesundheitliche Auswirkungen

Wie wirkt sich Strahlung auf den menschlichen Körper aus?

Der menschliche Körper besteht aus Zellen, die sich in der Regel erneuern. Die Zellerneuerung ist ein kontinuierlicher Prozess, der in jedem lebendigen Organismus abläuft. Ionisierende Strahlung, die in eine Zelle eindringt, kann diesen Erneuerungsprozess gefährden, indem anormale chemische Reaktionen hervorgerufen werden. Einige dieser Reaktionen können zum Absterben der Zelle und andere wiederum zu ihrem Überleben führen, dann jedoch in veränderter Form (Mutation).

Die Auswirkungen der ionisierenden Strahlen hängen von der empfangenen Dosis ab, aber auch von der Quelle, der Art der Exposition und dem Ziel.

Je nach der bei der Exposition durch ionisierende Strahlen empfangenen Dosis unterscheidet man zwischen 2 Arten biologischer Auswirkungen: die akuten oder deterministischen Auswirkungen und die langfristigen oder probabilistischen/stochastischen Auswirkungen.

Welche akuten oder deterministischen Auswirkungen sind zu erwarten?

Als akute Auswirkungen gelten direkte/unmittelbare Auswirkungen, die ab einem bestimmten Strahlengrenzwert  (>1Sv) auftreten, insbesondere bei sehr hoher Bestrahlung während einer kurzen Zeitspanne. Sie führen unmittelbar zum Absterben einer großen Anzahl von Zellen.

Sie äußern sich durch Übelkeit, Erbrechen, Verbrennungen der Haut, Durchfall, Krämpfe oder eine Abnahme der Lymphozyten, und können unter Umständen auch zum Tod führen.

Diese Auswirkungen treten einige Stunden oder Tage nach der Bestrahlung auf. Man spricht auch von der Strahlenkrankheit.

In diesem Fall ist eine medizinische Behandlung in einem Spezialzentrum erforderlich.

Welche langfristigen oder probabilistischen/stochastischen Auswirkungen sind zu erwarten?

Die Strahlung kann sog. „verzögerte“ oder „verspätete“ gesundheitliche Auswirkungen hervorrufen. Sie treten zufällig auf.

Zu diesen Auswirkungen zählen insbesondere schwere Erkrankungen wie Leukämie und verschiedene Krebsarten (Lunge, Schilddrüse, Verdauungstrakt und Harnwege usw.).

Die Strahlen können das Genom (Erbgut) des Menschen verändern und in den folgenden Generationen zu genetischen Anomalien führen.

Mit welchen gesundheitlichen Auswirkungen muss die Bevölkerung bei einem nuklearen Unfall rechnen?

Die Höhe der Strahlung bei einem nuklearen Unfall nimmt mit der Nähe zum Unfallort zu. In Bezug auf das Großherzogtum Luxemburg und seine Bevölkerung dürfte der Schwellenwert der Bestrahlung bei einem nuklearen Unfall in einem nahe gelegenen Kernkraftwerk sehr wahrscheinlich nicht die Größenordnung erreichen, die zu akuten Auswirkungen führen würde.

Der Notfallplan (Plan d’intervention d’urgence, PIU) bei einem nuklearen Unfall sieht Referenzniveaus vor, bei deren Erreichung Schutzmaßnahmen angeordnet werden, um jedes Gesundheitsrisiko für die luxemburgische Bevölkerung auszuschließen oder auf ein Minimum zu begrenzen.

Etwaige Schädigungen durch geringe Mengen an Radioaktivität können durch die normalen metabolischen Mechanismen des Körpers repariert werden.Le niveau des radiations en cas d’un accident nucléaire est d’autant plus élevé que l’ont est proche du lieu de l’accident. En ce qui concerne le Grand-Duché de Luxembourg et sa population, le seuil d’exposition en cas d’accident nucléaire dans une centrale nucléaire se trouvant à proximité ne devrait très probablement pas atteindre un ordre de grandeur susceptible de provoquer des effets aigus.

Le plan d’intervention d’urgence en cas d’accident nucléaire (PIU) fixe des niveaux de référence à partir desquels des mesures de protection sont décidées pour éviter ou réduire au maximum tout risque sanitaire de la population luxembourgeoise.

Des éventuels dommages causés par de faibles quantités de radioactivités sont potentiellement réparés par les mécanismes métaboliques normaux du corps.

Mit welchen gesundheitlichen Auswirkungen müssen die luxemburgischen Einsatzkräfte bei einem nuklearen Unfall rechnen?

Nach einem Unfall in einem Kernkraftwerk besteht die Möglichkeit, dass bestimmten Personen (Rettungskräfte, der Polizei, Mitarbeiter des Strahlenschutzes usw.) notfallmäßig in der kontaminierten Zone eingesetzt werden.

Die bei einem nuklearen Unfall zum Einsatz und zur Unterstützung angeforderten Kräfte sind den Auswirkungen eines nuklearen Unfalls verstärkt ausgesetzt.

Sie werden grundsätzlich nicht in Regionen entsandt, die während der Freisetzungsphase von einer Maßnahme zur Evakuierung oder Schutzsuche in Gebäuden und Häusern betroffen sind, es sei denn, es geht darum, Menschenleben zu retten, schwere strahlenbedingte Gesundheitsschäden oder das Eintreten katastrophaler Situationen zu verhindern.

Die Einsatzkräfte unterliegen besonderen Überwachungsmaßnahmen, damit die bei einem Einsatz geltenden Dosen eingehalten werden.

Je nach Ort und Stärke der Exposition müssen die Einsatzkräfte besondere Schutzkleidung, Gummistiefel, Einweghandschuhe, Atemschutzmasken und Schutzbrillen tragen.

Mit welchen gesundheitlichen Auswirkungen müssen die Einsatzkräfte am Unfallort rechnen?

Es ist davon auszugehen, dass die Ersteinsatzkräfte, d. h. die Rettungskräfte und die Arbeiter eines Kernkraftwerks, am ehesten Gefahr laufen, ziemlich hohen Strahlendosen ausgesetzt zu sein: die Höhe der Strahlung bei einem nuklearen Unfall nimmt mit der Nähe zum Unfallort zu. Diese Einsatzkräfte sind daher potenziell einer Strahlung ausgesetzt, die akute Auswirkungen haben kann.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, nach einer radioaktiven Exposition an Krebs zu erkranken oder genetische Anomalien zu entwickeln?

Die Wahrscheinlichkeit, eine Krebserkrankung oder genetische Anomalien zu entwickeln, ist proportional zur empfangenen Strahlendosis. Je höher die Dosis, desto größer ist das Risiko, an Krebs zu erkranken.

Genauso unterschiedlich wie wir auf Luftverschmutzung reagieren, ist unsere Empfindlichkeit gegenüber der radioaktiven Strahlenexposition. Gerade die jüngsten Zellen (d. h. bei Säuglingen oder Kleinkindern) und Zellen, die sich schnell erneuern (zum Beispiel die Zellen der Darmzotten) sind am anfälligsten für Strahlen. Daher ist das Krebsrisiko für die Schilddrüse (in diesem Organ reichert sich Jod -131 an) nach einer Bestrahlung mit radioaktivem Jod bei Kindern und Heranwachsenden höher.

Welche Symptome treten bei der Bestrahlung auf?

Nach der Aufnahme einer hohen Strahlendosis von über 1 Sievert (1000 Millisievert) können verschiedene Symptome auftreten. Es kann unter anderem zu Übelkeit, Erbrechen, Verbrennungen der Haut, Durchfall, Krämpfen oder einer Abnahme der Lymphozyten kommen.

Dosen von über 4 Sievert (4.000 Millisievert) sind potenziell tödlich. Diese Auswirkungen treten in einem Zeitraum auf, der von einigen Stunden bis zu mehreren Tagen nach der Bestrahlung oder Kontamination andauern kann.

Was versteht man unter dem Syndrom der akuten Bestrahlung?

Das Syndrom der akuten Bestrahlung (Strahlenkrankheit) umfasst die Gesamtheit der Auswirkungen, die nach der Aufnahme einer Dosis von mehr als 1 Sievert (d. h. 1.000 MilliSievert, entsprechend dem 300-Fachen der vom Menschen aufgenommenen Jahresdosis an natürlicher Strahlung) auftreten.

Dieses Syndrom äußert sich in Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, wobei es sich mit steigender Strahlendosis verstärkt und bei höheren Dosen (>8 Sv) zum Tod führen kann.

Bei einer Dosis zwischen 4 und 5 Sv liegt die Sterberate ohne medizinische Behandlung bei 50 %.

Ist das Syndrom der akuten Bestrahlung in Luxemburg denkbar?

Die Höhe der Strahlung bei einem Unfall nimmt mit der Nähe zum Unfallort zu. In Bezug auf das Großherzogtum Luxemburg und seine Bevölkerung dürfte der Schwellenwert der Bestrahlung bei einem nuklearen Unfall in einem nahe gelegenen Kernkraftwerk sehr wahrscheinlich nicht die Größenordnung erreichen, die zu akuten Auswirkungen führen würde.

Bei einem nuklearen Unfall in Cattenom sollen die Schutzmaßnahmen des Notfallplans jede Exposition durch akute Dosen verhindern.

Womit ist die Strahlenexposition im Falle eines Unfalls vergleichbar?

Die Auswirkung ionisierender Strahlung auf biologisches Gewebe wird als „Effektivdosis“ bezeichnet. Die Einheit der Effektivdosis ist das Sievert (Sv). Da es sich hierbei um eine „große” Einheit handelt, spricht man häufig von Millisievert (1mSv = 0,001 Sv) oder sogar von Mikrosievert (1Sv = 0,000001 Sv).

Nachfolgend eine Liste mit Beispielen für Effektivdosen an empfangener Strahlung in verschiedenen Situationen sowie die 3 Referenzniveaus in Luxemburg für die Einleitung der verschiedenen Schutzmaßnahmen bei einem nuklearen Unfall.

Quelle - Risiko - Massnahme Empfangene (effektiv) Dosis
Auswirkung auf biologisches Gewebe

Röntgenaufnahme der Lungen von vorne

0,02 MilliSievert

Flug Paris-New York

0,04 MilliSievert

Natürliche Strahlung pro Jahr (ohne Radon)

1-2 MilliSievert / Jahr

Natürliche Höhenstrahlung (im Gebirge)

3 MilliSievert / Jahr

Bauchraum-/Becken-CT

10 MilliSievert

Referenzniveau für die Schutzsuche der luxemburgischen Bevölkerung in Häusern und Gebäuden bei einem nuklearen Unfall

(während 7 Tagen im Freien)

10 MilliSievert

Dosisgrenzwert innerhalb der Europäischen Union bei berufsbedingter Exposition

(z. B.: Beschäftigte in einem Kernkraftwerk)

20 MilliSievert / Jahr

Referenzniveau für die Ausgabe von Kaliumiodidtabletten an die luxemburgische Bevölkerung bei einem nuklearen Unfall

(während 7 Tagen im Freien)

50 MilliSievert

(Achtung: Es handelt sich nicht um eine Effektivdosis, sondern um das Äquivalent der von der Schilddrüse aufgenommenen Dosis! Das Äquivalent als Effektivdosis betrüge 2,5 mSv, wenn die Schilddrüse als einziges Gewebe bestrahlt würde)

Strahlenexposition entsprechend einem statistischen Risiko von 0,5 % (1 Person von 200), eine tödliche Krebserkrankung zu entwickeln.

100 MilliSievert

Referenzniveau für die Anordnung der Evakuierung der luxemburgischen Bevölkerung bei einem nuklearen Unfall

100 MilliSievert

Erste Reaktionen des menschlichen Organismus auf die Strahleneinwirkung (diese Reaktionen sind vorübergehend)

500 MilliSievert

Syndrom der akuten Bestrahlung

ab 1.000 MilliSievert (1 Sievert)

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